Nun ist es soweit: Die Kunsthalle Trier freut sich, den Auftakt von OPEN ART TRIER anzukündigen – einer neuen Reihe zeitgenössischer Interventionen im öffentlichen Raum. Das Projekt, strukturiert in vier künstlerische Positionen, trägt den Titel:
»In Zwischenräumen wachsen«
Ausgangspunkt des kuratorischen Konzepts ist eine Auseinandersetzung mit den ethisch-philosophischen Überlegungen des römischen Kaisers und Stoikers Marcus Aurelius (121–180 n. Chr.). In seinen Selbstbetrachtungen formulierte er ein Ideal innerer Haltung, das auf den vier Kardinaltugenden – Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung – beruht. Diese Tugenden, die sich in der platonischen Philosophie verankern und durch die christlich-abendländische Tradition fortgetragen wurden, sind nicht nur abstrakte Prinzipien, sondern finden sich bis heute im kulturellen Gedächtnis – etwa in der städtischen Ikonographie Triers, wie im Petrusbrunnen auf dem Hauptmarkt.
In Zwischenräumen wachsen greift dieses historische Erbe auf – jedoch nicht als Affirmation europäischer Moralgeschichte, sondern als Ausgangspunkt für eine kritische Relektüre aus zeitgenössischer, künstlerischer Perspektive. Vier internationale Künstler*innen interpretieren je eine der Kardinaltugenden neu, konfrontieren sie mit heutigen Realitäten und bringen sie in Bezug zu feministischen und dekolonialen Denkfiguren. Die künstlerischen Interventionen werden dabei nicht simultan, sondern staffelweise über den Projektzeitraum hinweg im öffentlichen Raum sichtbar – jede Eröffnung bildet eine eigene Etappe im Gesamtprozess.
Partizipierende Künstler*innen: Hussein Shikha, Enya Burger, Sina Hensel und Juyoung Paek
Den Auftakt bildet die künstlerische Arbeit von Hussein Shikha, die sich mit der Tugend der Tapferkeit (fortitudo) auseinandersetzt. Shikha interessiert sich für Mut nicht im Sinne heroischer Selbstüberhöhung, sondern als zutiefst menschliche, verletzliche und oftmals widersprüchliche Handlung. Im Zentrum seiner Intervention steht die sumerische Göttin Inanna – eine ambivalente Figur weiblicher Macht, deren Abstieg in die Unterwelt als mythologischer Akt der Selbstentblößung und Transformation gedeutet werden kann. In Shikhas Lesart wird Inanna zur Projektionsfläche für Erfahrungen migrantischer Existenzen: Der Weg in das Unbekannte, der Verlust von Sprache, Status und Zugehörigkeit – all das wird nicht als Scheitern, sondern als radikaler Akt der Selbstverortung gedacht.
Die Arbeit verhandelt Tapferkeit als Grenzerfahrung, jenseits hegemonialer Narrative von Stärke und Überlegenheit – und öffnet damit einen Raum für ein neues, relationales Verständnis von Tapferkeit, das auf Verletzlichkeit, Fürsorge und Wandel basiert.
Den vollständigen Ausstellungstext finden Sie hier: Ausstellungstext Deutsch
Im Rahmen des Kulturpogramms der Landesausstellung „Marc Aurel“ 2025
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Gefördert von:



Die Open Art Trier 2025 wird veranstaltet von:

Die Arbeit von Hussein Shikha wird erstmals am 31. Juli 2025 im Rahmen der feierlichen Eröffnung von „Meditations“ sowie des Sommerfestes an der Europäischen Kunstakademie Trier öffentlich vorgestellt.
Ab Mitte August wird die Installation an ihren endgültigen Bestimmungsort im Herzen der Stadt umziehen – den Bischofshof, ein historisch aufgeladener Ort zwischen sakraler Macht und bürgerlichem Alltag. Diese räumliche Reorientierung wird von der Kuratorin Çağla Erdemir in einem intimen Gespräch begleitet, das in entspannter Atmosphäre – bei einem Glas Wein – vertiefende Einblicke in das Werk und seine Kontexte eröffnet.
Weitere Informationen zur genauen Terminierung folgen in Kürze.

Über die Landesausstellung „Marc Aurel“ 2025
Der römische Kaiser und Philosoph Marc Aurel gilt als Inbegriff des guten Herrschers. Doch wie verlief das Leben des Mannes, dessen „Selbstbetrachtungen“ später zur Weltliteratur wurden? Wer war er, was prägte ihn und wie sieht das Idealbild einer guten Herrschaft aus? Nach den sensationellen Ausstellungserfolgen zu Konstantin dem Großen (2007), Nero (2016), Karl Marx (2018) und dem Untergang des Römischen Reiches (2022) lädt die UNESCO-Stadt Trier erneut zu einer fesselnden Landesausstellung ein: Die große Schau nimmt den römischen Kaiser Marc Aurel (121-180 n. Chr.) in den Blick.
Das Rheinische Landesmuseum Trier lädt zu einer Zeitreise in das Römische Reich des 2. Jahrhunderts ein und geht der Faszination um den Kaiser Marc Aurel auf den Grund. Die archäologische Ausstellung präsentiert mit wertvollen Spitzenexponaten einen chronologischen Gang durch das facettenreiche Leben und die Epoche des römischen Kaisers. Seine Lebenszeit ist gezeichnet von Gegensätzen: Während die langen Jahre als Thronfolger überwiegend friedlich waren, ist seine Regentschaft als Kaiser von erbitterten Kriegen geprägt. Vor allem aber seine Liebe zur Philosophie macht ihn zur Ausnahmeerscheinung der Antike und hebt ihn von anderen Herrschern seiner Zeit ab.
Regierende, Staatstheoretiker, Philosophen und Kunstschaffende beziehen sich seit Jahrhunderten auf Marc Aurel und seine
„Selbstbetrachtungen“. Ausgehend von dieser Rezeptionsgeschichte zeigt das Stadtmuseum Simeonstift anhand hochkarätiger Ausstellungsstücke, wie sich die künstlerischen Darstellungen von guter Regierung im Laufe der Geschichte gewandelt haben: Wann gilt eine Herrschaft als gut und gerecht? Welchen Widerhall finden diese Ideen in der Kunst? Die Gemälde, Skulpturen, Karikaturen und Medien aus acht Jahrhunderten beleuchten diese Frage als eine faszinierende Konstante der Menschheitsgeschichte mit großer Aktualität.
Aktuelle Informationen über die Landesausstellung und das Kulturprogramm finden Sie unter: www.marc-aurel-trier.de






